Das Flugentchen

Das Flugentchen begleitet mich nun schon seit 10 Jahren, genau seit dem 24.10.1997. Die Flugente wurde zum ersten Mal im Januar 1988 zugelassen und hatte 4 Vorbesitzerinnen, bevor ich durch Zufall die Anzeige in der Tageszeitung sah. Ich hatte null Ahnung von 2CV, aber die Enten gefielen mir. Außerdem konnte ich sie mir als Studentin leisten...

Bevor ich "mein" Auto abholen konnte, bekam es in der Citroen-Werkstatt TÜV - und gleich noch eine komplett neue Bremsanlage, da die Mechaniker die falsche Bremsflüssigkeit eingefüllt hatten. Mir war's recht! ;).

Damals war das Flugentchen noch weiß, wurde von mir meist liebevoll, bei Regen und Kälte allerdings reichlich wütend "Sensibelchen" genannt, und 2x im Jahr ging es zur Entenwerkstatt um den bereits geflickten Rahmen zu schweißen. Doch irgendwann hätte der TÜV ganz sicher keine Plakette mehr rausgerückt, so dass ich mich entscheiden musste: Totalrestauration oder anderes Auto.

Ich entschied mich für die Ente und kratzte einen dicken Batzen Geld zusammen (damals noch D-Mark), spendierte dem Entchen gute gebrauchte Kotflügel und Türen, einen verzinkten Rahmen, eine kontaktlose Zündung, diverse Ersatz- und Kleinteile und eine neue Lackierung. Und siehe da, die Ente dankte es mir mit treuem Anspringen bei jedemWetter, minimalen Ausfallerscheinungen durch Verschleiß und regelrechte "Raserei". Seitdem passt einfach der Name Flugentchen.

Leider ähnelt ein Entchen einer Brausetablette: schmeiße sie in (Salz-)wasser und sie löst sich im Nu auf. Darum befand sich das Flugentchen geraume Zeit bei einem guten Freund im "Wellness-Urlaub": Roststellen mussten geschweißt werden, ganze Teile ausgetauscht und anschließend diverse Teile neu lackiert werden. Der arme "Lieblingstreffennachbar" mussten zu Beginn der doch aufwändigen Kur bitter erkennen, dass zwar der Lackierer sein Werk meisterhaft beherrscht, dass sich unter dem Lack aber leider kaum mehr Substanz befand. Zeitweise sprach er von "Kunstschweißen", denn an manchen Stellen war eigentlich gar nichts mehr was geschweißt werden konnte... An dieser Stelle möchte ich daher Jörg für die tolle Arbeit danken, die Flugentchen zu zwei weiteren TÜV-Jahren verholfen hat. Sie ist nun wieder daheim, und zwar deutlich besser in Schuss als vorher!

Eins verzeihe ich ihr allerdings nicht, nämlich dass sie ausgerechnet am Tag unserer Hochzeit am Hang zur Burg meinte, die Eifersüchtige spielen zu müssen. Na gut, die Benzinpumpe hatte den Geist aufgegeben. Aber genau an DEM Tag...? So wurde ich zu meinem Ehemann "abgeschleppt" - zum Glück waren gute Freunde aus der Entenfahrerszene dabei und wussten, was zu tun ist.

Die Ente ist lange kein Studentenauto mehr, auch wenn Ersatzteile ungleich günstiger als bei jedem anderen Auto sind. Aber der Erhalt der seit 1990 nicht mehr gebauten Franzosen wird leider immer schwieriger. Um so glücklicher bin ich, dass mein Flugentchen mich seit über 10 Jahren so treu begleitet und hoffentlich noch lange "leben" wird.


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